Beim ersten Pflichtheimspiel seit dem 13. September (knappes 3:2 für den FC Ober-Ramstadt im A-Klassen-Alltag) revanchierte sich der RSV Germania 03 am Donnerstagabend auf dem Darmstädter Kreispokal-Podium und zahlte durch das 5:3 gegen den identischen Liga-Rivalen vorab die Mautgebühr für eine eventuelle Straßenbenutzung Richtung DFB-Cupfinale ins Berliner Olympiastadion.
Der erste reale Pokaleinsatz in dieser Saison (während den beiden Eröffnungs-Runden profitierten die Germanen von einem Frei-Los sowie einem Antrittsverzicht des VfR Eberstadt) lieferte alle Spezifikationen jenes speziellen Wettbewerbs inklusive seinen sprichwörtlich eigenen Gesetzen: Dramatische Flutlichtatmosphäre, rassige Zweikämpfe, wechselnder Match-Verlauf, Spannung bis zum finalen Pfiff und natürlich als würziges Salz in der Suppe Tore satt.
Die Zuschauer am Grünen Steg kamen ergo voll auf ihre Kosten. Wie schon im Liga-Duell legte der Rasensportverein vor. Mehmet Köroglu veredelte einen perfekten Pass von Marlon Velez Gomez mit einem wuchtigen Schuss ins Netz. Das 1:0 war die logische Konsequenz einer dominanten Phase, dank der die Germanen optisch am längeren Hebel saßen, ehe ein individueller Patzer den Hausherr bis zum Pausen-Gong aus den Pantinen kippen ließ.
Ein fataler Rückpass in des Gegners Lauf ermöglichte Egson Gashi den raschen Ausgleich. Die überflüssige Egalisierung löste defensive Irritationen aus, welche Gashi noch vor dem Seitenwechsel mit seinem Doppelpack bestrafte. Doch die Germanen rückten motiviert von Coach Ben Talib während der Halbzeit-Andacht wieder ihre breite Brust zurecht. Zwar hatte man zu Beginn der zweiten Hälfte bei einem FCO-Lattenkracher den Papst in der Tasche, ehe sich der Hausherr mutig ans Werk machte, am 36. Todestag von Willy Brandt seinen Gast in die Knie zu zwingen.
Nach dem wegweisenden 2:2 (Robert Botezatu schädelte die Kugel ein und meldete Ansprüche für sein neues Pseudonym „Kopfballungeheuer“ an) drückten praktisch nur noch die Germanen auf die Pokal-Tube. Wegen FCO-Keeper Jacob Papperitz und einem gehörigen Quantum Chancen-Wucher haderten die lautstarken Supporter bereits mit den Fußballgöttern, ehe Nicklas Buth eine Freistoßvorlage von Velez Gomez zum überfälligen 3:2 in die Maschen lenkte.
Durch die anschließende Personal-Dezimierung (Ampelkarte Emre Erol) und ein von Velez Gomez direkt versenktes Freistoß-Gemälde schien das Viertelfinal-Ticket gelöst, doch der FCO schlug nach einem Slalomlauf des sechzig Sekunden später knallrot vom Feld fliegenden Mohammed Hssinou noch einmal zurück.
Allerdings hätten am 77. Wiegenfest von Sigourney Weaver weder irgendwelche Aliens noch Gorillas im Nebel den Rasensportverein aus dem Konzept bugsieren können. Joker Kevin Caruso schraubte den Deckel auf das erste heimische Erfolgserlebnis der aktuellen Spielzeit und beförderte die Germanen endgültig in den Los-Topf zur Ziehung der nächsten Kreispokal-Lotterie.
Aufstellung: Rehak, Wolf, Buth, Velez Gomez, Morris, Kalai, Sabbagh (86. Hemmpel), Botezatu, Meier, Rippert, Köroglu (84. Caruso)
Tore: 1:0 Köroglu 32. 1:1, 1:2 Gashi 36., 43. 2:2 Botezatu 52. 3:2 Buth 76. 4:2 Velez Gomez 79. 4:3 Hssinou 89. 5:3 Caruso 90. + 1
Besonderes: Gelb-Rot Erol 73., Rot Hssinou 90. (beide FCO)
Kommenden Sonntag darf der germanische Anhang im Ligabetrieb endlich wieder einen Doppelheimspiel-Nachmittag genießen. Ab 13 Uhr will das Zweitmannschafts-Ensemble nach zuletzt zwei kassierten Niederlagen beim Ranglisten-Verfolgerclinch Dritter contra Fünfter gegen RW Darmstadt III zurück in die Erfolgsspur. Ein ähnlicher Plan schwebt auch der „Ersten“ vor. Das ohne „Hannibal“ & Mr. T antretende A-Team empfängt um 15 Uhr zu einem so gerne zitierten Sechspunkte-Match mit Grün-Weiß Darmstadt ebenfalls einen tabellarischen Nachbarn – allerdings auf der unteren Seite des Klassements (Vorletzter vs. Viertletzter).
